Summer in the City

Die letzten Arbeiten sind erledigt, der SuB ist etwas kleiner geworden, der Koffer steht bereit: Auf geht’s nach Irland, die Insel am nordwestlichen Rand Europas, die nicht nur die Zivilisation gerettet, sondern auch einen überdurchschnittlich großen Beitrag zur Weltliteratur geleistet hat: Jonathan Swift, Bram Stoker, Oscar Wilde, W.B. Yeats, James Joyce, G.B. Shaw, C.S. Lewis, Elisabeth Bowen,  Samuel Beckett, Seamus Heaney, Maeve Brennan, John Banville, Anne Enright,  Colm Tóibín,  Edna O’Brien, Roddy Doyle, Emma Donoghue, Sebastian Barry, Tana French und, und, und. Dankenswerterweise wird mein Mann in Wien Kind, Katze und Hund hüten, während ich mich in Galway  und Dublin ganz nach Lust und Laune stundenlang  in Bibliotheken und Buchhandlungen verlieren, Literary Walks entdecken oder mich in einem Café oder am Meer in das neueste Buch vertiefen kann. Im Abendprogramm ist auch das eine oder andere Pint Guiness in einem Pub eingeplant, aber besonders freue ich mich auf zwei Theaterbesuche: Im Abbey Theatre darf ich eine szenische Bearbeitung von James Joyces Ulysses von einem der Bühnensitze aus miterleben, und im Gate Theatre erwartet mich Roddy Doyles neues Theaterstück The Snapper.

Fürs Bloggen wird nicht viel Zeit bleiben, aber ich verspreche ausführliche Berichte nach meiner Rückkehr. Wenn ihr bis dahin Lust habt, mich virtuell auf meiner Reise zu begleiten, könnt ihr das auf Twitter tun: BritLitScout@britlitscout.

Bildnachweis Beitragsbild: James Joyce Bridge Dublin by Jnestorius via Wikimedia Commons. 

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Wie man eine Zivilisation rettet

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Schottenstift und Schottenkirche, Wien

Wer sich in Wien ein bisschen auskennt, der beginnt sich irgendwann zu fragen, was die Stadt mit den Schotten zu tun hat. In der Inneren Stadt liegt das Schottenstift mit dazugehöriger Schottenkirche, ganz in der Nähe findet man Reste der mittelalterlichen Stadtmauer, die Schottenbastei. Familien, die etwas auf sich halten, schicken ihre Sprösslinge ins dortige Schottengymnasium, und nach der Matura studieren diese vielleicht an der Universität Wien, deren Hauptgebäude sich am Schottentor befindet. Ein nicht weit entfernter Stadtteil ist das Schottenfeld, noch im 19. Jahrhundert eine Vorstadt, heute mitten im Zentrum und fest in Bobo-Hand. Am Abend geht man in den Schottenkeller in der oder zum Schottenheurigen etwas außerhalb der Stadt. Die Schottenkirche samt Kloster wurde 1155 im Auftrag von Leopold II. „Jasomirgott“ an einem Kraftplatz außerhalb der Stadtmauern erbaut, nachdem der Babenbergerherzog seine Residenz nach Wien verlegt hatte. Ein Kloster war ein Zentrum des Wissens, und die neue Residenzstadt benötigte dieses Wissen für Verwaltung, Schulwesen und Gesundheitsversorgung. Daher berief Leopold II. Mönche nach Wien, die er in Regensburg kennengelernt hatte. „Solos elegimus scottos“ versprach er den Mönchen – er werde nur Schotten nach Wien berufen.

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Schottenstift Wien, Kupferstich Wikimedia Commons

Aber wieso Schotten? Und wieso aus Regensburg? Das und noch vieles andere erklärt Thomas Cahill in How the Irish Saved Civilisation. Das Sachbuch hielt sich nach seinem Erscheinen im Jahr 1995 fast zwei Jahre lang auf der Bestsellerliste der New York Times und wurde auch ins Deutsche übersetzt. Wie die Iren die Zivilisation retteten ist aber leider nur mehr antiquarisch erhältlich. Der New Yorker Autor mit irischen Wurzeln nimmt uns mit auf eine Reise durch die westeuropäische Geschichte und wirft Schlaglichter auf ausgewählte literarische Werke und Autor*innen. Weiterlesen »

Happy #Bloomsday

Heute ist Bloomsday, der Tag, an dem Literaturfans in aller Welt James Joyce und sein Hauptwerk Ulysses feiern. Am 16. Juni 1904 hatte der irische Schriftsteller seine erste Verabredung mit seiner späteren Ehefrau Nora Barnacle, und als literarische Liebeserklärung an sie wählte er dieses Datum als jenen Tag, an dem er Leopold Bloom in Ulysses durch Dublin wandern ließ. Der Roman wurde 1922 veröffentlicht, und schon 1924 sollen erste Begeisterte auf den Spuren des Romanhelden durch die irische Hauptstadt gezogen sein. 1954 wurden die Feierlichkeiten dann sozusagen offiziell, als der Herausgeber John Ryan und der Autor Brian O’Nolan eine Literaturwallfahrt zu den Schauplätzen von Ulysses organisierten und damit eine Tradition begründeten, die im Laufe der Jahre immer weitere Verbreitung fand. Der Bloomsday ist zwar kein gesetzlicher Feiertag, wird aber in Irland fast wie ein solcher begangen, und so werden auch heute wieder Enthusiasten in historischer Kostümierung die im Roman vorkommenden Orte besuchen, an den zahlreichen Veranstaltungen teilnehmen oder selbst aus dem Roman vorlesen.Weiterlesen »

Blutiges Wien

In der vergangenen Woche lud die Buchhandlung Leo, die nur wenige Schritte vom Wiener Stephansdom entfernt großen Ketten und Internethändlern die Stirn bietet, zu einer Lesung, bei der die Autorin Alex Beer ihren zweiten Krimi, Die rote Frau, vorstellte. Meinen Bericht dazu findet ihr auf ChickLitScout.

Die rote Frau spielt im Wien des Jahres 1920, einer von den Folgen des Ersten Weltkriegs stark gebeutelten, ehemals glanzvollen Metropole, in der nun Hunger und Elend das Straßenbild prägen. Der Roman hat mich an einen anderen Krimi erinnert, dessen Schauplatz die selbe Stadt, kaum 20 Jahre früher, aber in einer vollkommen anderen Welt, ist, und diesen möchte ich euch heute vorstellen. Wiener Blut (im englischen Original Vienna Blood) ist der zweite Band einer im Englischen als Liebermann Papers erschienenen Serie. Sechs Bände hat der Brite Frank Tallis zwischen 2006 und 2011 veröffentlicht,  erst vor kurzem ist #7, Mephisto Waltz, erschienen und wird hoffentlich bald ins Deutsche übersetzt werden. Frank Tallis ist nicht nur Schriftsteller, sondern auch klinischer Psychologe, und so werden die Mordfälle hier von einem Psychoanalytiker gelöst, dem jungen Dr. Max Liebermann, der, wie könnte es anders sein, ein Schüler von Sigmund Freud und regelmäßiger Gast bei diesem in der Berggasse 19 ist.Weiterlesen »

Dr. Who?

Als ich unter den Ankündigungen zu Neuerscheinungen von Lübbe Audio den Titel Doctor Who fand, war das für mich nur der Name einer britischen Serie, die ich noch nie gesehen hatte, denn Science Fiction interessiert mich normalerweise kaum. Aber die Tatsache, dass die Hörspielreihe auf der am längsten laufenden TV-Serie der Welt basiert, machte mich doch neugierig. Die erste Folge wurde am Tag nach der Ermordung John F. Kennedys, also am 23. November 1963, ausgestrahlt, und seit damals hat die BBC, wenn auch mit einer Unterbrechung zwischen 1989 und 2005, über 850 Episoden und Specials produziert. Genau in dem Jahr, in dem die Serie in Großbritannien für 16 Jahre ausgesetzt wurde, liefen die ersten Folgen im deutschsprachigen Fernsehen, aber ein durchschlagender Erfolg war die Serie hierzulande zunächst nicht. Das hat sich erst den letzten Jahren geändert, und seit 2017 erscheinen nach und nach sowohl alte als auch neue Folgen in einer deutschsprachigen Synchronfassung auf DVD.

Aufgrund der langen Laufzeit musste es auch Wechsel in der Besetzung geben, und die Produzenten haben aus der Not eine Tugend gemacht. Weiterlesen »