Costa Book Awards

Im deutschen Sprachraum kennt man Costa, wenn überhaupt, nur als Coffee-to-go-Kette, in Großbritannien steht der Name auch für qualitätsvolle und gleichzeitig immer unterhaltsame Literatur, ausgezeichnet mit dem gleichnamigen Book Award. Gewonnen hat ihn dieses Jahr, als erster Autor schon zum zweiten Mal, Sebastian Barry für Days without End, einen Roman, dessen Ich-Erzähler Thomas McNulty, ein 17jähriger irischer Einwanderer in die Vereinigten Staaten der 1850er-Jahre, als Soldat der US-Cavalry am Bürgerkrieg teilnimmt. Ich werde das Buch so schnell wie möglich lesen und darüber schreiben.

Die Berichterstattung über die Preisverleihung hat mich an einen Gewinner aus dem Jahr 2009 erinnert, Colm Tóibíns Brooklyn. Hier ist der Einwanderer eine Einwanderin, die junge Eilis Lacey, und der Roman spielt ziemlich genau 100 Jahre später als der von Barry. In schlichten Worten erzählt er die Geschichte  von Eilis Lacey, die sich auf eine von ihrer Schwester Rose eingefädelte Reise in ein neues Leben begibt. Die Verfilmung des Buches nach dem Drehbuch von Nick Hornby erhielt 2015 drei Oscar-Nominierungen und gewann den  BAFTA-Award for Outstanding British Film. Das Buch variiert das Thema Frau zwischen zwei Männern auf andere Weise als üblich, indem es die Entscheidung nicht der jungen Frau selbst überlässt, sondern den Umständen. Dabei zeigt der Autor, ganz ohne imaginäre Parallelwelten  zu entwerfen, zwei Alternativen für einen Lebensweg. Ohne den Ausgang zu verraten: Mich hat es sehr berührt, wie Eilis bereit ist, sich in ihr Schicksal zu fügen und gleichzeitig in ihrer zurückhaltenden Art um ein glückliches Leben kämpft.

Brooklyn ist so etwas wie ein Spin-Off des viel später, nämlich erst 2014, erschienenen Romans Nora Webster. An diesem Roman begann Tóibín um das Jahr 2000 zu schreiben, stellte das erste Kapitel fertig, ließ auf Seite 4 Eilis‘ Mutter ihre Töchter Eily und Rose erwähnen, legte das Kapitel zur Seite und wandte sich dem Schicksal der Frauen der Familie Lacey zu. Diese Anekdote, nachzulesen in Colm Tóibín: austere in writing, wicked in person (Vorsicht Spoiler!) in The Telegraph  verlängert meine Muss-ich-lesen-Liste sofort wieder um einen Eintrag. Aber vor Nora Webster ist noch Thomas McNulty dran…

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