Galway Boy

Galway ist ein idyllisches Städtchen an der Westküste Irlands, das ich bei keiner Reise auf die Grüne Insel auslassen würde: Häuser und Geschäfte wie aus dem Bilderbuch, freundliche Menschen, gemütliche Pubs und nicht zu vergessen eine einladende Filiale der irischen Buchhandelskette Dubray Books fünf Gehminuten vom Eyre Square. Dort, im Zentrum der Stadt, sucht Jack Taylor das Vergessen im Alkohol und manchmal auch Mörder. Sein Galway hat mit meinen touristischen Eindrücken nicht viel zu tun, aber Ken Bruen schafft es in The Guards mühelos, die Postkartenidylle durch düstere Bilder zu ersetzen, ohne dass dadurch ein Widerspruch entsteht (oder ich nicht mehr hinfahren möchte).

Die deutsch-irische Verfilmung als TV-Serie wurde als „schwärzer als Guiness“ angekündigt, und das Gleiche gilt für die literarische Vorlage. Alles an Jack ist düster: seine Kindheit, sein Humor, seine Freunde und seine Zukunftsaussichten. Entdeckt habe ich die Jack-Taylor-Reihe, von der zwischen 2001 und 2013 zehn Krimis erschienen sind, in der englischsprachigen Hörbuchversion, mit rauer Stimme gelesen von Gerry O’Brien. Man nimmt ihm den kaputten Typen ab, der zwar eigentlich erledigt ist, aber solange nicht klein beigibt, solange er seine gebrochenen Finger noch zur Faust ballen kann, und der Trost im Alkohol und in der Literatur findet.  Ins Deutsche übersetzt hat die Serie Harry Rowohlt, und dass er sich der Krimis angenommen hat darf als Qualitätsgütesiegel verstanden werden.

In The Guards (zu Deutsch: Jack Taylor fliegt raus) wird der vom Dienst bei der irischen Polizei, der Garda Síochána, gefeuerte Taylor von der Mutter eines jungen Mädchens angeheuert, um zu beweisen, dass ihre tot aus dem Wasser gefischte Tochter nicht Selbstmord begangen hat, sondern ermordet wurde. Die 16jährige ist nicht das einzige Ertrinkungsopfer in der Geschichte, und auch sonst passiert wenig Erfreuliches. Im Vordergrund stehen aber nicht die Morde und deren Aufklärung, es geht vor allem um Jack Taylor und die Menschen in seiner Umgebung. Als Genreroman des Irish Noire ist die Geschichte in gewisser Weise vorhersehbar, gelangweilt hat sie mich trotzdem nicht. Das liegt an der Erzählweise und an den Charakteren, von denen zumindest einige so liebenswert sind, dass sie durchaus wieder in die Postkartenidylle passen. Vor allem aber wollte ich erfahren, was mit Jack  Taylor passiert, und deshalb stehen die übrigen 9 Bände der Serie bereits im Bücherregal.

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