Black History Month in Retrospect

Heute geht der Black History Month zu Ende, Zeit für eine Rückschau:

Meine von Lesen…in vollen Zügen angeregte Bestandsaufnahme zu Beginn des Monats hatte vor allem ergeben, dass es endlich Zeit für die erste Begegnung mit einer Autorin wird, die schon viel zu lange auf meinem SuB ausharren musste: Toni Morrison.

Noch während des Lesens von Love entdeckte ich im Granta Magazine ein Interview:  Toni Morrison im Gespräch mit dem Deutschen Mario Kaiser und der Nigerianerin Sarah Ladipo Manyika. Schon die Einleitung dieses Interviews liefert interessante Einblicke: Die Sprache von Morrisons Antworten habe die gleiche Klarheit und Musikalität wie ihr literarisches Schaffen; am  Besucher-WC hänge an einer Wand der Brief des Nobelpreiskommittees, der sie als Preisträgerin für 1993 ausweist, und gegenüber eine offizielle Note des Texas Department of Criminal Justice, die darüber informiert, dass der Roman Paradise aus den Bibliotheken der staatlichen Strafanstalten verbannt worden sei, weil er Gefängnisrevolten provozieren könnte. Und, sie weigere sich, den Namen des amtierenden US-Präsidenten in den Mund zu nehmen.Weiterlesen »

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Ian McEwan goes MI5

Serena Frome, Tochter eines anglikanischen Bischofs, ist noch keine 25, bildhübsch und belesen und hat einen Abschluss in Mathematik von der Universität Cambridge. Ihren neuen Job beim britischen Geheimdienst MI5 verdankt sie aber nicht ihren akademischen Leistungen, sondern ihrem um drei Jahrzehnte älteren Geliebten Tony Canning. Hätte Ian McEwan den Beginn seines Romans Sweet Tooth (auf Deutsch: Honig)  im 21. Jahrhundert angesiedelt, würden Serena zu Beginn ihrer Tätigkeit ein anspruchsvolles Trainingsprogramm für Geheimagentinnen und im Anschluss daran eine Karriere im Kampf gegen rechten oder linken Terror oder gegen Islamismus erwarten. Serena tritt ihren Dienst aber im Jahr 1972 an, und daher verbringt sie ihre Tage mit dem Tippen und Ablegen von Akten, und ihr erster Auftrag außerhalb der Büromauern besteht darin, gemeinsam mit ihrer Kollegin Shirley Shilling eine vom Geheimdienst gemietete Wohnung zu putzen, um die Spuren des letzten Einsatzes zu beseitigen. Dort findet sie einen Zettel mit einem Hinweis auf Tony, der sich in der Zwischenzeit sowohl von ihr als auch von seiner Ehefrau getrennt hat.

Auch der nächste Auftrag ist nicht besonders spektakulär, kommt aber zumindest Serenas Interesse für Literatur entgegen: Im Rahmen des Projekts Sweet Tooth (in der deutschen Übersetzung Operation Honig) besucht sie getarnt als Mitarbeiterin einer Stiftung den noch unbekannten Schriftsteller Thomas Haley und bietet ihm finanzielle  Unterstützung an, die es ihm ermöglichen soll, sich ganz aufs Schreiben zu konzentrieren.  Weiterlesen »

Verbotene Bücher

Auf der Suche nach Hintergrundmaterial zum Black History Month bin ich gestern über einen Artikel zum Thema Zensur gestolpert, dessen Inhalt, ergänzt durch weitere Recherchen, ich gerne mit Euch teilen möchte. Unter dem Titel Write no more: 10 books that were banned veröffentlichte der Guardian in seiner Online-Ausgabe im vergangenen September eine Liste von 10 Büchern, die bei ihrer Veröffentlichung verboten oder zensuriert wurden.Weiterlesen »

Robert Menasse goes English

Die Grundidee dieses Blogs besteht ja darin, englischsprachige Literatur einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen, aber wenn es einmal in die umgekehrte Richtung läuft, und zwar bis in die Redaktion der New York Times, dann ist das meiner Meinung nach auch einen Blogbeitrag wert.

Robert Menasses jüngster Roman Die Hauptstadt hat im vergangenen Herbst ziemliches Medienecho hervorgerufen und wurde bekanntlich auch mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Nun hat der Londoner Verlag MacLehose Press angekündigt, Anfang 2019 eine englische Übersetzung herauszubringen, und dazu gab es dieser Tage in der New York Times einen Artikel. Die NYT nennt den Roman eine Satire und eine Balzacian novel. Der Artikel wartet nebenbei auch mit der für mich neuen Information auf, dass Brüssel deshalb EU-Hauptstadt wurde, weil Belgien in der alphabetischen Auflistung der 6 Gründungsmitglieder an erster Stelle stand.

Robert Menasse hatte für seine Geschichte mehrere Jahre recherchiert und war dafür im Jahr 2010 nach Brüssel gezogen. Die Recherche sei nicht schwierig gewesen, habe ich ihn bei einer Präsentation des Romans sagen hören, er habe sich als „Schriftsteller aus Österreich“ vorgestellt und problemlos alle gewünschten Informationen erhalten. Um anders als die NYT Spoiler zu vermeiden, möchte ich nicht verraten, welches reale Ereignis Menasse in seinen Roman verpackt hat, nur soviel: der Artikel lässt ihn mit der Aussage zu Wort kommen, schon sein erstes Konzept habe ein derartiges Ereignis enthalten, lange bevor es Wirklichkeit wurde.

Ich werde Die Hauptstadt hoffentlich bald vom meinem SuB nehmen können und bin schon gespannt, welchen Titel sich der englische Verlag einfallen lässt. The Capital ist ja schon vergeben…

Interessante Besprechungen des Romans findet ihr bei David Wonschewski, auf Lillis Buchseite, bei Literatur im Fenster, auf Das graue Sofa , auf booksterHRO und im leseschatz.

Robert Menasse, Die Hauptstadt. Suhrkamp Verlag Berlin 2017. 459 Seiten.

Costa Book Awards 2017

Erst im Februar 2018 über einen Buchpreis 2017 zu berichten, scheint etwas verspätet, aber tatsächlich werden die Preisträger der Costa Book Awards immer erst im Jänner des darauffolgenden Jahres bekanntgegeben: Anfang Jänner die Gewinner in 5 Einzelkategorien (First Novel Award, Novel Award, Biography, Poetry, Children’s Books), Ende Jänner der aus diesen 5 Preisträger_innen gewählte Hauptpreis. Ich kenne bei weitem nicht alle Siegertitel der letzten Jahre, aber die, die ich kenne, haben mir alle gefallen, und zwei davon habe ich auf diesem Blog auch schon vorgestellt: Colm Tóíbin hat 2009 mit Brooklyn den Hauptpreis gewonnen, der Hauptpreisträger von 2016 war Sebastian Berry mit Days without End.

Der heute von einer Coffee-to-go-Kette gesponserte Preis wurde 1971 unter dem Namen Whitbread Award ins Leben gerufen, und er wird an Autor_innen vergeben, die in englischer Sprache publizieren und seit mindestens 3 Jahren in Großbritannien oder Irland leben. Weiterlesen »