Women in 21st Century Fiction

Gerade rechtzeitig vor dem  Internationalen Frauentag hat die New York Times unter dem Titel The New Vanguard eine Auswahl von 15 Prosawerken von Autorinnen veröffentlicht, die die Literatur im 21. Jahrhundert auf innovative Weise beeinflusst haben und noch beeinflussen werden. Eine solche Liste muss, das betonen die Literaturkritiker*innen der NYT, die für die Zusammenstellung verantwortlich zeichnen, zwangsläufig unvollständig bleiben, aber sie deckt eine große Bandbreite ab, von Graphic Novels über Erzählungen bis hin zu Horror und Fantasy. Zehn der Bücher möchte ich Euch heute vorstellen:

In Amerikanah erzählt die gebürtige Nigerianerin Chimamanda Ngozi Adichie vom Schicksal der jungen Ifemelu, die aus Nigeria in den USA einwandert und dort einige Jahre unter schwierigsten Bedingungen lebt, bevor sie einen Collegeabschluss macht und eine erfolgreiche Bloggerin wird. Adichie beleuchtet, was es in Amerika, Großbritannien und Nigeria bedeutet, schwarz zu sein, und setzt sich mit semantischen Details wie dem Unterschied zwischen African-American und American-African auseinander. Auch die deutsche Übersetzung ist unter dem Titel Amerikanah erschienen. Ich merke das Buch schon mal für den Black History Month 2019 vor.

Zwischen 1983 und 2008 veröffentlichte Alison Bechtel Comic Strips, die humorvoll und gleichzeitig sehr offen das Leben einer Gruppe lesbischer Frauen im Mittleren Westen portraitiert. 2008 wurden diese Comics als Sammelband unter dem Titel ‘The Essential Dykes to Watch Out For’  veröffentlicht.   Eine deutsche Übersetzung der Comics erschien schon 2005 unter dem Titel Lesben und andere Lebensformen auf Kohlenstoffbasis.

In Outline beschreibt Rachel Cusk einige Tage im Leben der geschiedenen englischen Schriftstellerin Faye. Sie ist nach Athen gekommen, um kreatives Schreiben zu unterrichten. Die als handlungsarm beschriebene Novelle lebt von ihren Dialogen und vor allem von den Fragen, die dabei gestellt werden. Eine Übersetzung ins Deutsche gibt es noch nicht.

Die koreanische Autorin Han Kang wurde für ihren Roman ‘The Vegetarian’ (Die Vegetarierin) mit dem Man Booker Prize International 2016 ausgezeichnet. Die Titelfigur Yeong-hye führt ein ruhiges Leben an der Seite ihres Ehemanns, bis sie beschließt, auf Fleisch zu verzichten und schließlich alles Tierische aus ihrem Leben verbannt. Ihr Ehemann und ihr tyrannischer Vater interpretieren das als Auflehnung und üben auf sie Druck aus.

Die vierteilige Neapolitanische Saga der italienischen Autorin Elena Ferrante verfolgt das Lebens zweier neapolitanischer Mädchen, Lila Cerullo and Elena Greco, über 50 Jahre. Erzählt wird die Geschichte aus Elenas Perspektive, und sie liefert eine detaillierte Schilderung ihres Lebens mit all seinen Verwicklungen und Dramen, einschließlich Vergewaltigung und Drogenkrieg, schonungslos ehrlich und unsentimental. Der vierte Teil Die Geschichte des verlorenen Kindes war ebenfalls für den Man Booker International Price 2016 nominiert und ist erst vor kurzem auf Deutsch erschienen. Ich habe mir den Roman  als Hörbuch von Eva Mattes vorlesen lassen. Eine Besprechung gibt es auf www.chicklitscout.com.

American Innovations (deutscher Titel: Amerikanische Erfindungen) ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, in denen Rivka Gauchen Klassiker des Genres, wie James Thurbers The Secret Life of Walter Mitty oder Nikolai Gogols Die Nase, neu interpretiert. Die Autorin stellt dabei jeweils eine Frau in den Mittelpunkt der  manchmal humorvollen, manchmal surrealen Geschichten.

In London NW (im englischen Original NW) zeigt Zadie Smith das Leben in einem der  Stadtteile Londons, die weder vom Tourismus noch von Gentrifizierung heimgesucht werden, nicht, weil umsichtige Stadtpolitik das verhindert, sondern weil sie nicht attraktiv genug sind. Im Mittelpunkt der Erzählung stehen Leah, die irische Vorfahren hat, Keisha, deren Wurzeln in Jamaica liegen, und, zwischen ihnen, Felix. Alle drei versuchen, ihrer Umgebung zu entkommen, und alle drei scheitern. Einen Eindruck von Zadie Smiths Erzählweise bekommt man auf Zadie Smith’s Tour of NW: Kilburn.

In Jesmyn Wards  Salvage the Bones (Vor dem Sturm) lebt die 15jährige Esch Batiste mit ihren Brüdern und ihrem verwitweten Vater in Bois Sauvage, einer armen Küstengegend im Bundesstaat Mississippi, und wartet auf den Sturm, der als Hurricane Katrina noch lange in Erinnerung bleiben wird. 12 Tage lang bereitet ich die Familie auf die herannahende Katastrophe vor und versucht gleichzeitig, den Alltag zu bewältigen und über die Runden zu kommen.

Ottessa Moshfeghs Roman Eileen war eines der ersten Bücher, die ich auf diesem Blog besprochen habe, begleitet von der Warnung, dass er zwar exzellent geschrieben ist, aber wohl kaum die Stimmung heben wird. Auch die Sammlung ‘Homesick for Another World’ stellt in Kurzgeschichten die düsteren Seiten des Lebens in den Mittelpunkt. Ein zentrales Thema ist dabei der männliche Chauvinismus, und dass dieser manchmal der Lächerlichkeit preisgegeben wird,  ist möglicherweise nur ein schwacher Trost.

Mehr Spaß verspricht der letzte Titel auf meiner Liste: NYT-Literaturkriterikerin Parul Sehgal bezeichnet Nell Zinks ‘Mislaid’ als eine Mischung aus  ‚Sozialsatire und Elisabethanischer Komödie.‘ Die beiden Hauptpersonen, der homosexuelle Lee Fleming und seine lesbische Studentin Peggy Vaillancourt, müssen sich gleich mit drei gesellschaftlichen Fragen herumschlagen: mit Rassismus, mit Frauenrechten und mit sexueller Identität. Nachdem Peggys Beziehung zu Lee gescheitert ist,  was kaum überraschen kann, taucht sie mit ihrer Tochter auf der Flucht in einer von Schwarzen bewohnten ländlichen Gemeinde unter und gibt vor, selbst schwarz zu sein. Auch dieses Buch ist ein Kandidat für den nächsten Black History Month. Mein Favorit für heuer ist aber Jesmyn  Wards  ‘Salvage the Bones’, und ich hoffe, dass für Euch auch interessante Anregungen dabei sind! Happy Women’s Day!

 

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3 Gedanken zu “Women in 21st Century Fiction

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