Stichwort #Irland (III)

#Bibliotheken

staircase

#TheOldLibrary

Wenn ich verreise, versuche ich, die Trampelpfade der Touristenströme zu vermeiden, aber das ist meist leichter gesagt als getan, denn dort, wo es Interessantes zu sehen gibt, sind naturgemäß auch viele, die es sehen möchten. Ein Trick, der für mich immer funktioniert hat, ist der, die Tourismus-Hotspots so zeitig wie möglich am Tag zu besuchen, wenn alle anderen noch beim Frühstück sitzen. Daher wartete ich schon um 8 Uhr 30 und nur sehr kurz vor dem Eingang der Old Library des Trinity College Dublin, um dort zuerst das #BookofKells und dann den #LongRoom zu bewundern. Die Tatsache, dass ich direkt am Campus wohnte, hat zwar die Anreise auf 3 Minuten verkürzt, aber leider gibt es auch für Summer Residents keine Privilegien, was den Zutritt zu den Bibliotheken betrifft – eine Exklusiv-Besichtigung war daher nur von außen möglich.

Old Library morning
The Old Library, Trinity College Dublin, 06:15 AM

Die Homepage von TCD nennt das Book of Kells Irlands größten Kunstschatz, und das ist nicht übertrieben. Die illustrierte Bibelhandschrift wurde vermutlich um das Jahr 800 von irischen Mönchen auf der Insel Iona nahe Schottland geschaffen und, nachdem deren Kloster von Vikingern angegriffen worden war, ins Kloster von Kells, County Meath, in Sicherheit gebracht. Details über den geschichtlichen Hintergrund dazu gibt es in meinem Beitrag über Thomas Cahills How the Irish Saved Civilization. In Kells war die Handschrift in Sicherheit, bis Oliver Cromwell, der in Irland bis heute – nicht ganz zu Unrecht – als Reinkarnation des Teufels gilt, das Kloster 1646 einer neuen Nutzung als Pferdestall zuführte. Henry Jones, Vice-Chancellor des 1592 von Elizabeth I. gegründeten Trinity College, ließ die Handschrift daraufhin in die Bibliothek seiner Universität bringen, wo sie heute gemeinsam mit dem noch 100 Jahre älteren Book of Durrow und dem ebenfalls aus dem frühen 9. Jahrhundert stammenden Book of Armagh  gekonnt in Szene gesetzt wird.

Die Old Library hütet noch zwei weitere Schätze, die Irlands Identität und Nationalstolz symbolisieren: Da ist zunächst die #BrianBoruHarp, zwar mit Sicherheit nicht die Harfe des Begründers der O’Brien-Dynastie, aber dennoch das älteste erhaltene Instrument seiner Art. Ein Abbild dieses offiziellen Nationalsymbols findet man nicht nur auf allen irischen Euromünzen, sondern auch auf jeder Flasche Guiness. Im Schaukasten gleich dahinter ist ein wesentlich jüngeres Exponat zu sehen, das den Ir*innen aber ebenso wichtig ist: Eine der wenigen erhaltenen Kopien der #Proclamation of the Irish Republic aus dem Jahr 1916. Das Poster klebte ursprünglich an der Wand des General Post Office, wo der Osteraufstand seinen Ausgang nahm, der in letzter Konsequenz 1922 zur Unabhängigkeit von Großbritannien führte.

Die beiden Schaukästen befinden sich im Long Room der Old Library. So schön die diversen mit Fresken geschmückten und mit Schnörkel verzierten Prunksäle anderer Bibliotheken auch sein mögen, an die Ästhetik dieses 65 m langen Raums kommt für mich keine heran. Sieht man von den weißen Marmorbüsten berühmter Schriftsteller, Philosophen und Staatsmänner ab, sind der einzige Schmuck die Regale für die mehr als 200.000 Bände, die in zwei Etagen unter einem Tonnengewölbe aus Holz Platz finden. Dieses Tonnengewölbe wurde 1858 nachträglich auf den 1732 fertiggestellten Bau aufgesetzt, um mehr Platz für Bücher zu schaffen.

 

Ich hätte am liebsten den ganzen Tag den Saal auf mich wirken lassen und den Geruch der alten Bücher eingeatmet, aber irgendwann waren auch alle anderen mit dem Frühstück fertig und das Gedränge zu groß.
Zum Glück gibt es in Dublin aber auch Bibliotheken, in denen sich der Andrang an Touristen in Grenzen hält.

#Chester Beatty Library

chester beatty lawn
Helikopterlandeplatz Dublin Castle, mit Chester Beatty Library im Hintergrund

Die auf dem Gelände von Dublin Castle gelegene Chester Beatty Library bietet bei freiem Eintritt einen Überblick über die Entwicklung der Schreibkunst und des Buchdrucks. Die drei Sammlungen zeigen in wechselnden Ausstellungen eine Auswahl des vom amerikanischen Multimillionär Chester Beatty zusammengetragenen Bibliotheksbestandes. In der ostasiatischen Sammlung finden sich vor allem Exponate aus China, Japan, Tibet und der Mongolei,  die islamische Sammlung zeigt Manuskripte aus dem 8. bis 12. Jahrhundert, und die Western Collection umfasst unter anderem Papyri aus 1800 v.Chr., illuminierte Manuskripte und mehr als 26.000 Drucke. Erstaunlicherweise nutzen nur wenige Touristen die Gelegenheit, die Ausstellung zu besuchen, und so hatte der Museumswärter Zeit, mir einiges über die Exponate und deren geschichtlichen Hintergründe zu erzählen. Fotografieren durch ich diese Exponate leider nicht, daher machte ich mich auf die Suche nach anderen Motiven.

#National Library of Ireland

Die National Library of Ireland in 7-8 Kildare Street, nur einen Katzensprung vom Trinity College entfernt, ist eine frei zugängliche Benutzerbibliothek. Im runden Lesesaal mit freundlich türkisblauer Kuppeldecke hat auch schon James Joyce viele Stunden verbracht, daher war es für mich der perfekte Ort, zumindest einige Seiten von The Dubliners zu lesen – eine besondere Erfahrung, die durch das Läuten einer kleinen Glocke am Ende der Öffnungszeit stilvoll beendet wurde. Fotografieren ist im Lesesaal während des regulären Bibliotheksbetriebs leider nicht gestattet, daher muss ich Euch für Innenaufnahmen auf die Homepage der NLI verweisen, das dezent aufgenommene Handyfoto wird man mir aber hoffentlich verzeihen.

In Stichwort #Irland (IV) werde ich Euch die #Buchhandlungen vorstellen, die mir am besten gefallen haben.

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2 Gedanken zu “Stichwort #Irland (III)

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