Travelling Vietnam – #Hanoi

Hanoimonkthumb__MG_3699_1024Seit zwei Wochen bin ich nun wieder zurück aus Vietnam, die Koffer sind ausgepackt, die Mitbringsel sind verteilt, der Jetlag ist überstanden. Und während die vietnamesische Hauptstadt sich auf das Treffen zweier Männern vorbereitet, die noch vor wenigen Monaten über die Größe ihres Atomknopfs gestritten haben, jetzt aber scheinbar neue beste Freunde sind, sitze ich hier und versuche, aus den unzähligen Aufnahmen, die ich während meiner Reise  gemacht habe, diejenigen auszuwählen, die ich für diesen Beitrag verwenden möchte. Das dauert.

Ich hatte hohe Erwartungen an diese Reise, und sie wurden alle erfüllt. Mit meiner in Saigon geborenen, aber in New York lebenden Freundin und fünf anderen Amerikanerinnen habe ich ein Land erleben dürfen, das sich für Tết, das Neujahrsfest, ganz besonders herausgeputzt, von seiner besten Seite gezeigt hat: freundliche Menschen, traumhafte Landschaften, köstliches Street Food,  komfortable Unterkünfte (für mich nicht ganz unwichtig), angenehme Temperaturen (noch wichtiger, da ich nicht tropentauglich bin), mehr Fotomotive als Speicherplatz (siehe oben).

Ban_do_Viet_Nam
Quelle: Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1193553

Dem Namen nach ist die Sozialistische Republik Vietnam immer noch kommunistisch, Parteiflaggen und das Andenken an „Onkel Ho“, den Staatsgründer Ho Chi Min, sind allgegenwärtig,  aber ich habe eine aufstrebende Marktwirtschaft erlebt, in der zwar noch viele in großer Bescheidenheit leben, echtes Elend aber entweder fast nicht existiert oder sorgsam versteckt ist. Unsere Reise führte uns von der Hauptstadt Hà Nội zunächst nach Zentralvietnam, in die alte Kaiserstadt Huế, dann weiter in die etwas südlich von Đà Nẵng gelegene Küstenstadt Hội An und anschließend wieder zurück in den Norden, in die Vịnh Hạ Long (Halong-Bucht) im Golf von Tonkin und von dort nochmals über die Hauptstadt weiter ins Gebirge, wo wir in der Mù Cang Chải Eco-Lodge weniger als 150 km von der chinesischen Grenze entfernt den für mich schönsten Teil der Reise verbrachten. In den nächsten Tagen und Wochen werde ich Euch immer wieder von dieser Reise berichten, die einem Land, von dem ich bis vor kurzem nur wenig wusste und für das ich mich auch ehrlich gesagt nur mäßig interessiert hatte, für immer einen Platz unter den Top Five meiner liebsten Reiseziele gesichert hat

Hà Nội

Einen kurzen Gruß mit ersten Eindrücken aus der Stadt am Roten Fluss habe ich Euch ja schon ganz zu Beginn meiner Reise geschickt. Ingesamt dreimal haben wir auf unserer Reise in der Hauptstadt Zwischenstop gemacht, und jedesmal hatte ich etwas Zeit, um wieder einige neue Winkel und Facetten einer Stadt kennenzulernen, die mich von der ersten Sekunde an fasziniert hat. Um sich hier wohl zu fühlen, muss man dem Gewusel einer Großstadt etwas abgewinnen können und einen etwas heruntergekommenen Kolonialstil cool finden.

 

Beides trifft auf mich zu, und da ich in der Lage bin, mich todesmutig einem nicht abreißenden Verkehrsstrom entgegenzustellen, für den Ampelsignale nur Dekorationselemente in einer ohnehin bunten Umgebung sind, hat es großen Spaß gemacht, quer durch die Stadt zu laufen, um die verschiedensten Eindrücke auf mich wirken zu lassen und an jeder Ecke andere Köstlichkeiten zu probieren. Neben kleinen und noch kleineren Restaurants, die den ganzen Tag über oft nur eine einzige Spezialität anbieten, gibt es auch Garküchen, die am Abend, wenn die Rollbalken der Geschäfte nach unten gegangen sind, auf dem Gehsteig davor ihren Betrieb aufnehmen. Auf kleinen Tischen und Plastikstühlen, nur wenige Zentimeter über dem Boden, habe ich so zahlreiche kulinarische Genüsse erlebt, für die mir ohne kundige Führung vermutlich der Mut gefehlt hätte, und entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten auch das eine oder andere Bier probiert.

 

Hanoithumb__MG_3531_1024Noch vor wenigen Jahren war das Stadtbild vor allem von Fahrrädern geprägt, erzählte meine Freundin, heute sieht man diese nur mehr sehr vereinzelt. Statt dessen düst ganz Hanoi auf Mopeds durch die Gegend. Drei Passagiere sind der Normalfall, vier keine Seltenheit, auch auch fünfköpfige Familien finden, wenn es notwendig ist, Platz. Daneben fungieren die Flitzer als Lastfahrzeuge.

Während am Stadtrand moderne Wohnbauten in die Höhe schießen und sich die Zufahrtsstraßen und Hauptverkehrsrouten nicht wesentlich von denen in westlichen Großstädten unterscheiden, haben die Gebäude im Stadtzentrum auf mich so gewirkt, als hätten sie sich seit den 1950er-Jahren nicht mehr verändert. Das ist sicher eine Illusion, trotzdem konnte ich mich an den Fassaden nicht sattsehen.

Besonders gut gefallen hat mir die Abfolge von alten und neuen Häuschen am Trúc Bạch-See, an dessen Uferpromenade nicht nur die Touristen, sondern auch die Einheimischen eine Verschnaufpause einlegen.

 

Am Trúc Bạch-See gibt es auch ein Denkmal für den vor kurzem verstorbenen US-Senator John McCain. 1967 war der Kampfpilot nach dem Abschuss seiner Maschine aus dem See gefischt und fünfeinhalb Jahre lang als Kriegsgefangener festgehalten worden, 1985 kehrte er nach Vietnam zurück und wurde zu einem der ersten Befürworter einer Aussöhnung zwischen den beiden Ländern. Dafür, dass diese über weite Strecken gelungen ist, spricht nicht nur die Errichtung der Gedenkstätte, sondern auch die Freundlichkeit, mit der die Vietnamesen den zahlreichen amerikanischen Touristen begegnen. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass die Gräuel des „Amerikanischen Krieges“, wie der Krieg in Vietnam heißt, vollkommen vergessen sind, Ressentiments habe ich als Mitglied einer amerikanischen Reisegruppe aber keine gespürt. Mit unaufdringlicher Freundlichkeit und höflicher Gelassenheit, gepaart mit einer sympathischen Geschäftstüchtigkeit, begegnen die Vietnames*innen den manchmal nicht ganz bescheidenen Wünschen der Gäste aus dem Westen und stellen sich auch bereitwillig als Fotomotive zur Verfügung.

 

Nicht nur die Stadt an sich ist sehenswert, es gibt auch einige Kulturdenkmäler, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Dazu gehören vor allem der Literaturtempel, die Zitadelle von Thăng Long und die Trấn Quốc Pagode. Alle drei haben wir natürlich besucht. Davon in einem meiner nächsten Beiträge.

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