Man Booker Out

Während am kommenden Dienstag bereits der Gewinnertitel des diesjährigen Man Booker Prize bekanntgegeben wird, komme ich erst heute dazu, einen Titel vorzustellen, der es von der Longlist entgegen meinen Erwartungen nicht auf die Shortlist geschafft hat.

Im Jahr 1945 gingen unsere Eltern fort und ließen uns in der Obhut zweier Männer zurück, die möglicherweise Kriminelle waren. Wir wohnten in London, in einer Straße namens Ruvigny Gardens, und eines Morgens meinte unsere Mutter, oder vielleicht war es auch der Vater, wir sollten uns nach dem Frühstück unterhalten, und sie teilten uns mit, sie würden uns verlassen und für ein Jahr nach Singapur gehen. (S. 13 der deutschen Übersetzung).

So beginnt Warlight (in deutscher Übersetzung Kriegslicht) von Michael Ondaatje, und was folgt, ist die Geschichte eines Erwachsenwerdens unter ungewöhnlichen Bedingungen. Die in London zurückbleibenden Kinder, der 14-jährige Nathaniel und seine fast zwei Jahre ältere Schwester, sollen ein Internat besuchen und nur in den Ferien von zwei Freunden der Eltern, Walter, The Moth (Der Falter), und Norman, The Darter (Der Boxer), betreut werden. Aber Nathaniel widersetzt sich diesem Plan, zieht nach kurzer Zeit im Internat wieder nach Ruvigny Gardens und nimmt einen Nebenjob als Aushilfe in einem Restaurant an, wo er ein einige Jahre älteres Mädchen kennenlernt. Er nennt das Mädchen Agnes, denn in einem unbewohnten Apartment in der Agnes Street treffen sich die beiden regelmäßig. Während Rachel schnell beginnt, ihr eigenes Leben zu leben, begleitet Nathaniel Norman beim Schmuggeln illegal importierter Windhunde für Hunderennen und lernt dessen häufig wechselnde Freundinnen kennen, darunter die Ethnographin Olive Lawrence.

Mehr als ein Jahrzehnt später verschafft sich Nathaniel als Beamter im Außenamt Zugang zu Akten, die es ihm ermöglichen, den Hintergründen der mysteriösen Abreise seiner Eltern auf den Grund zu gehen und zu verstehen, welche Rolle die zwielichtigen Aufpasser im Leben der Familie spielten.

Meine Meinung: Warlight erzählt von Kindern, deren Eltern sich nicht vollkommen auf deren persönliches Wohlergehen konzentrieren, sondern sich einer größeren Sache gegenüber verpflichtet fühlen. Bis zur Abreise der Mutter ist das Leben von Nathaniel und Rachel so „normal“, wie es ein Leben im Krieg sein kann, danach tauchen sie in eine Welt ein, in der die alten Regeln aufgehoben sind und sie sich neu orientieren müssen. Mich hat Michael Ondaatjes Erzählung stark an die Romane von Graham Greene erinnert. Auch bei ihm geht es meist darum, welchen Einfluss die Kriege und politischen Verwicklungen des 20. Jahrhunderts auf jene haben, die, freiwillig oder unfreiwillig, in diesem weltpolitischen Geschehen zumindest eine kleine aktive Rolle spielen. Auch Greens Charaktere sind meist keine Durchschnittstypen, sondern Menschen, in deren Leben es unkonventionelle Familienkonstellationen und Partnerschaften, Brüche und Widersprüchlichkeiten gibt, und Darstellungen derartiger Lebenswelten fand ich immer faszinierend und spannend.  Fasziniert hat mich auch die Welt, die Michael Ondaatje beschreibt, nur die Spannung blieb etwas auf der Strecke. Die Frage ‚Was ist eigentlich passiert?‘ konnte ich am Ende nicht wirklich beantworten, die Schilderung des Alltags von Nathaniel in Ruvigny Gardens und die Erklärung dafür, wie es ihm gelingt, Licht in die Hintergründe zu bringen, fand ich nur bedingt glaubwürdig. 

Mein Fazit: Michael Ondaatje ist ganz sicher ein meisterhafter Erzähler, aber auch meisterhafte Erzähler benötigen zunächst einmal eine gute Geschichte.

Von  letteratura bekommt der Roman ein ‚Sehr gut‘, JMalula (Exlibris) und Constanze Matthes, die auf  Zeichen & Zeiten eine genaue Analyse mit Spoilern (!) liefert, sind begeistert, die Nomadenseele zeigt sich geradezu erbost über den Plot.

Michael Ondaatje, Warlight. Gelesen von Steve West. Random House Audio 2018. 8 h 36 min.

Übersetzung aus dem Englischen von Anna Leube: Kriegslicht. Hanser Verlag München 2018. 320 Seiten.

 

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Gespräche mit Millennials

Nächste Woche erscheint bei Faber and Faber Ltd. Normal People, mit dem es die irische Autorin Sally Rooney auf die Longlist des Man Booker Prize 2018 geschafft hat. Wer sich schon jetzt einen ersten Eindruck von dem Roman verschaffen möchte, kann das mit dem unter dem gleichen Titel im Granta Magazine veröffentlichten Vorabdruck tun. Darin erzählt Rooney vom Beginn der Beziehung zwischen Marianne und Connell, die gerade im Westen Irlands ihren Schulabschluss machen.

In Conversations with Friends, dem ersten Roman der 1991 geborenen Autorin, geht es ebenfalls um das Leben junger Menschen im heutigen Irland. Frances und Bobbi, beide Anfang 20, kennen einander seit der Schulzeit, waren ein Jahr lang ein Paar, studieren jetzt am Trinity College Dublin und sind immer noch beste Freundinnen. Weiterlesen »

#DickeBücherCamp: Owen Meany

IMG_5075.jpgHeute ist von Charlie Byrne’s in Galway die letzte Lieferung der Bücher gekommen, an denen ich während meiner Irlandreise nicht vorbeigehen konnte, und der Stapel wird mich wohl noch länger beschäftigen. Aber da ich nicht nur irische Autor*innen lesen möchte, habe ich zwischendurch (wenn man das bei einem Wälzer so nennen kann) auch einem amerikanischen Autor einen längst überfälligen Besuch abgestattet.

Auf seiner Homepage gibt John Irving allen Leser*innen einen Rat: Wenn sie wissen möchten, worum es in einem Buch geht, sollten sie doch einfach die ersten Absätze des ersten Kapitels lesen, denn das sei das Einzige, was der Autor oder die Autorin einem mit auf den Weg geben möchte. ‚Glauben Sie mir: der Autor möchte einfach, dass Sie zu lesen beginnen‘, schreibt er. Gut, hier also der erste Satz der deutschen Übersetzung von A Prayer for Owen Meany:

Ich bin dazu verdammt, mit der Erinnerung an einen Jungen mit einer entsetzlichen Stimme zu leben – nicht wegen seiner Stimme, auch nicht, weil er der kleinste Mensch war, der mir je begegnet ist, und nicht einmal, weil er das Werkzeug zum Tod meiner Mutter war, sondern weil er der Grund ist, warum ich an Gott glaube: wegen Owen Meany bin ich Christ geworden. (S. 11 der deutschen Ausgabe)

Irving hält diesen Satz für einen der besten ersten Sätze, die er je geschrieben hat. Es könnte aber auch ein letzter Satz sein. In einem Interview, das die Hörbuchversion auf audible begleitet, erzählt er, dass er mit dem Schreiben immer am Ende beginnt. Wenn er die ersten Absätze zu Papier bringt – er tut das handschriftlich, um nicht schneller zu schreiben als er denken kann – hat er schon ein bis eineinhalb Jahre am Konzept seiner Geschichte gearbeitet und weiß genau, wie diese ausgeht, hat den letzten Satz, manchmal die letzten Seiten, schon fertig und ändert auch nichts mehr daran. Das Ergebnis ist bei Owen Meany ein Roman, der bis ins kleinste Detail durchkomponiert ist und gleichzeitig jede Menge Überraschungen bereit hält. Diese unvorhersehbaren Wendungen seien auch so manchen Kritikern zum Verhängnis geworden, meint Irving: ihren Beiträgen war anzumerken, dass sie das Buch nie zu Ende gelesen hatten. Amerikanische Kritiker hätten auch, anders als ihre deutschen Kolleg*innen, den Einfluss von Günter Grass‘ Blechtrommel nicht erkannt. Wenn man als Schriftsteller Zitate und Anspielungen verwende, komme einem das immer so offensichtlich vor, aber natürlich sei es nur für die offensichtlich, die das andere Buch auch gelesen haben.

In Owen Meany geht es um Freundschaft und Religion, aber für den Autor ist es vor allem auch der zweite Roman, der sich mit einem hochpolitischen Thema auseinandersetzt. In Gottes Werk und Teufels Beitrag (The Cider House Rules) ist es das Thema Abtreibung, bei Owen Meany sind es der Vietnamkrieg und die damit verbundene Wehrpflicht. Um diese Themen behandeln zu können, habe er auch zeitlichen Abstand zu den beschriebenen Geschehnissen benötigt, und um diesen zum Ausdruck zu bringen, lässt Irving den nach Kanada ausgewanderten Ich-Erzähler John Wheelwright 1987 die Geschichte seiner  Freundschaft mit Owen Meany erzählen, die in den 1960er-Jahren in einer Kleinstadt in New Hampshire begann. Die Ich-Erzählung habe er als „letzte Rettung“ gewählt, weil sich diese Geschichte für ihn nicht anders habe erzählen lassen.

Meine Meinung: John Irvings Bücher passen alle ausgezeichnet ins #DickeBücherCamp, das Nordbreze Marina für den Sommer 2018 ausgerufen hat. Kaum ein Irving-Roman hat weniger als 600 Seiten, man sollte also etwas Zeit erübrigen können. Da genau das der Haken bei der Sache ist, habe ich die Hörbuchversion gewählt – in diesem Fall eine Entscheidung mit Mehrwert. In der gedruckten Fassung wird Owen Meanys „entsetzliche Stimme“ durch Großbuchstaben dargestellt. Im Hörbuch verleiht, von Irving selbst als Vortragender ausgewählt, Joe Barrett der Titelfigur eine Stimme, die unter die Haut geht – love it or hate it!

Irvings siebter Roman gehört zu den literarischen Werken, über die man eine umfangreiche wissenschaftliche Arbeit schreiben könnte (vielleicht ist das auch schon geschehen). Ich war fasziniert und beeindruckt, und ich kann hier nicht annähernd alles festhalten, was mir beim Anhören durch den Kopf gegangen ist. Owen bezeichnet sich selbst als „Gottes Instrument“, und  der Autor nennt seinen Titelhelden einen Propheten, der, wie alle Propheten, Dinge sagt, die die Menschen nicht hören wollen. Auch wenn mich die religiösen Fragen, die aufgeworfenen werden, persönlich nicht sehr intensiv beschäftigen,  Irving gelingt es, ihre Komplexität darzustellen, ohne dass die Geschichte dadurch langweilig wird. Viel mehr interessiert haben mich dennoch die politischen Aspekte. Owen Meany legt die Finger in jede Wunde, von JFKs Affäre mit Marilyn Monroe bis zum Vietnamkrieg, und Irving lässt ihn am 7. Juli 1968 folgendes in sein Tagebuch schreiben:

IST DIESES LAND EINFACH SO RIESIG, DASS ES ALLES SO ÜBERTRIEBEN VEREINFACHEN MUSS? DER KRIEG ZUM BEISPIEL: ENTWEDER HABEN WIR EINE STRATEGIE, UM IHN ZU ‚GEWINNEN‘, WAS UNS – FÜR DEN REST DER WELT – ZU MÖRDERN MACHT; ODER WIR STERBEN, OHNE FÜR DEN SIEG ZU KÄMPFEN. UNSERE SOGENANNTE ‚AUSSENPOLITIK‘ ZUM BEISPIEL: ‚AUSSENPOLITIK‘ IST BEI UNS LEDIGLICH EINE BESCHÖNIGENDE BEZEICHNUNG FÜR REKLAME IN EIGENER SACHE, UND DIE REKLAME, DIE WIR FÜR UNS SELBST BETREIBEN, WIRD IMMER SCHLECHTER. WIR WERDEN EINE NIEDERLAGE KASSIEREN, UND WIR SIND KEINE GUTEN VERLIERER.

DAS, WAS WIR ‚RELIGION‘ NENNEN, ZUM BEISPIEL: MAN BRAUCHT NUR SONNTAGS MORGEN IRGENDEINEN FERNSEHSENDER EINZUSCHALTEN! ALL DIE CHÖRE UND ARMEN UND UNGEBILDETEN – UND DIESE FURCHTBAREN PREDIGER, DIE IHRE GESCHICHTEN VOM GUTEN HERRN JESUS WIE HAMBURGER VERKAUFEN. BALD WIRD AUCH IM WEISSEN HAUS EIN PREDIGER SITZEN; BALD KRIEGEN WIR EINEN KARDINAL ALS VORSITZENDEN DES OBERSTEN GERICHTSHOFS, UND EINES TAGES WIRD ES EINE EPIDEMIE GEBEN – ICH WETTE, IRGENDEINE MONSTRÖSE GESCHLECHTSKRANKHEIT, UND WAS WERDEN UNSERE EINZIGARTIGEN FÜHRER, UNSERE KIRCHENFÜRSTEN UND STAATSMÄNNER DANN SAGEN? WIE WERDEN SIE UNS HELFENß GANZ BESTIMMT WERDEN SIE UNS NICHT HEILEN – ABER WOMIT WERDEN SIE UNS TRÖSTEN? MAN BRAUCHT NUR DEN FERNSEHER EINZUSCHALTEN, UND SCHON ERFÄHRT MAN, WAS UNSERE EINZIGARTIGEN FÜHRER, UNSERE KIRCHENFÜRSTEN SAGEN WERDEN: „ICH HAB’S EUCH JA GESAGT!“ WERDEN SIE SAGEN, ‚DAS HABT IHR VON DER RUMVÖGELEI – ICH HAB EUCH JA GEWARNT, IHR SOLLT ES NICHT VOR DER EHE MACHEN.‘ SIEHT DENN NIEMAND, WAS DIESE DUMMKÖPFE IM SCHILDE FÜHREN? DIESE SELBSTGERECHTEN FANATIKER SIND NICHT ‚RELIGIÖS‘ – IHRE HAUSBACKENE WEISHEIT HAT NICHTS MIT ‚MORAL‘ ZU TUN.

DAS IST DIE RICHTUNG, IN DIE SICH UNSER LAND BEWEGT – HIN ZUR ÜBERTRIEBENEN VEREINFACHUNG. WIE EIN ZUKÜNFTIGER PRÄSIDENT AUSSEHEN WIRD? DA BRAUCHT MAN NUR AN EINEM BELIEBIGEN SONNTAGMORGEN DAS FERNSEHEN EINZUSCHALTEN – SICH IRGENDEINEN VON DIESEN TELEPFAFFEN ANZUSEHEN. DAS IST ER, DAS IST DER PRÄSIDENT DER ZUKUNFT! (S. 833f. der deutschen Ausgabe)

Drei Jahrzehnte sind vergangen, seit John Irving das zu Papier gebracht hat. Damals war Ronald Reagan Präsident der Vereinigten Staaten, Owens Vorhersagen  hatten sich weitgehend bewahrheitet und für Liberale sah es so aus, als könnte es nicht mehr schlimmer werden. Sie sollten sich irren. 

Alles bisher Gesagte klingt ein bisschen so, als wäre A Prayer for Owen Meany eine Abhandlung über Religion, Gesellschaft und Politik, verpackt in einen Roman, aber das stimmt nicht: Es ist eine sehr persönliche Geschichte, die Geschichte einer Liebe, wie auch Irving im Interview hervorhebt. Und es ist eine Geschichte, bei der die Spannung auch dann nicht abreißt, wenn sich ein ganzes Kapitel mit einem einzigen Weihnachtsfest beschäftigt. Jede Szene ist wie ein Blick durch ein Vergrößerungsglas, das die Welt des Owen Meany in Einzelbilder zerlegt, bis ein komplettes Bild entsteht. Ein Roman ohne Längen, finde ich, und das ist fast erstaunlich. Vermutlich liegt die Erklärung in etwas, was mir mein Buchhändler einmal erzählt hat: John Irving veröffentliche zwar 800-Seiten-Wälzer, aber bis es soweit sei, habe er 8.000 Seiten geschrieben und wieder zusammengestrichen. 

Mein Fazit: Ich muss unbedingt bald den nächsten John Irving in Angriff nehmen. Also ganz schnell die 11 kg Literatur von meiner Reise und dann zurück ins #DickeBücherCamp.

John Irving, A Prayer for Owen Meany. Erstveröffentlichung 1989. Reprint Harper 2012. 640 Seiten. 

Als Audiobook präsentiert von Joe Barrett. Audible Vanguard Series 2009. 26 h 53 min. 

Übersetzung aus dem Amerikanischen von Edith Nerke und Jürgen Bauer: Owen Meany. Diogenes 1990, 853 Seiten. 

Auf den Spuren von Jack Taylor durch Galway

20180710_103540Es kommt nicht oft vor, dass man einer Figur aus einem Roman im wirklichen Leben begegnet – ich hatte letzte Woche so eine Begegnung. Vinny, der Verkäufer, der mir in Charlie Byrne’s Bookshop in Galway dabei half, den Stapel Bücher, den ich ausgesucht hatte, möglichst kostengünstig nach Hause schicken zu lassen, ist der Vinny, der sich in Ken Bruens Headstone (Ein Grabstein für Jack Taylor) auf Seite 223 der englischen Ausgabe mit dem Titelhelden eine Zigarettenpause gönnt, nachdem dieser ihm eine Liste mit seinen Bücherwünschen präsentiert hat.Weiterlesen »

Wie man eine Zivilisation rettet

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Schottenstift und Schottenkirche, Wien

Wer durch Wien bummelt, der beginnt sich irgendwann zu fragen, was die Stadt mit den Schotten zu tun hat. In der Inneren Stadt liegt das Schottenstift mit dazugehöriger Schottenkirche, ganz in der Nähe findet man Reste der mittelalterlichen Stadtmauer, die Schottenbastei. Familien, die etwas auf sich halten, schicken ihre Sprösslinge ins dortige Schottengymnasium, und nach der Matura studieren diese vielleicht an der Universität Wien, deren Hauptgebäude sich am Schottentor befindet. Ein nicht weit entfernter Stadtteil ist das Schottenfeld, noch im 19. Jahrhundert eine Vorstadt, heute mitten im Zentrum und fest in Bobo-Hand. Am Abend geht man in den Schottenkeller in der oder zum Schottenheurigen etwas außerhalb der Stadt. Die Schottenkirche samt Kloster wurde 1155 im Auftrag von Leopold II. „Jasomirgott“ an einem Kraftplatz außerhalb der Stadtmauern erbaut, nachdem der Babenbergerherzog seine Residenz nach Wien verlegt hatte. Ein Kloster war ein Zentrum des Wissens, und die neue Residenzstadt benötigte dieses Wissen für Verwaltung, Schulwesen und Gesundheitsversorgung. Daher berief Leopold II. Mönche nach Wien, die er in Regensburg kennengelernt hatte. „Solos elegimus scottos“ versprach er den Mönchen – er werde nur Schotten nach Wien berufen.

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Schottenstift Kupferstich Creative Commons

Aber wieso Schotten? Und wieso aus Regensburg? Das und noch vieles andere erklärt Thomas Cahill in How the Irish Saved Civilisation. Das Sachbuch hielt sich nach seinem Erscheinen im Jahr 1995 fast zwei Jahre lang auf der Bestsellerliste der New York Times und wurde auch ins Deutsche übersetzt. Wie die Iren die Zivilisation retteten ist aber leider nur mehr antiquarisch erhältlich. Der New Yorker Autor mit irischen Wurzeln nimmt uns mit auf eine Reise durch die westeuropäische Geschichte und wirft Schlaglichter auf ausgewählte literarische Werke und Autor*innen. Weiterlesen »