J.M.Coetzee – Gegen die Hegemonie der englischen Sprache

Bereits zum 13. Mal pilgerten dieses Wochenende Literaturbegeisterte nach Heidenreichstein im Waldviertel, um bei Literatur im Nebel eine Autorin oder einen Autor zu feiern und persönlich kennenzulernen. Wie üblich startete das Festival ungeachtet des Titels bei strahlendem Sonnenschein, und wie üblich war der Ehrengast ein ganz großer Name: In dem kleinen Städtchen nahe der Grenze zwischen Österreich und Tschechien wurde im dritten Jahr hintereinander ein Literaturnobelpreisträger auf die Bühne gebeten. Nach Svetlana Alexijewitsch (2017) und Herta Müller (2018) diesmal der aus Südafrika stammende J.M. Coetzee, dessen Werke, wie üblich, von einer Garde hochkarätiger Kulturschaffender präsentiert wurden.

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Inger-Maria Mahlke und Aglaia Szyskowitz lesen aus Sommer des Lebens
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Daniela Golpaschin liest aus Im Herzen des Landes
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Hans Pleschinski, Elisabeth Trissenaar und Elias Hirschl lesen aus Eiserne Zeit

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Buch Wien 2018: Im Herzen der Blutsuppe

Englischsprachige Autor*innen stehen auf der Buch Wien naturgemäß nicht im Zentrum, aber wenn schon nicht BritLit, dann wenigsten Whodunnit, und dem war einer der echten Höhepunkte der heurigen Veranstaltung gewidmet.

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Thomas Raab, Arne Dahl und Bernhard Aichner

fünf plus drei‚Weltmeister der Blutlache‘, so nennt Moderator Heinz Sichrovsky die drei Herren, die gut gelaunt von der Gästecouch in der Leselounge lächeln: Thomas Raab, Arne Dahl und Bernhard Aichner gehören zu den erfolgreichsten Krimiautoren im deutschen Sprachraum, und somit befindet sich dieses Sofa für die Zeit des Gesprächs ‚im Herzen der Blutsuppe‘. Bei den Fragen an den schwedischen Literaturwissenschafter Jan Lennard Arnalt geht es zunächst vor allem um Namen: Dass er sich für sein Pseudonym den Familiennamen des britischen Schriftstellers Roald Dahl ausgesucht habe sei Zufall, sagt er, aber Molly Blom, der Name der weiblichen Hauptfigur seiner Berger & Blom-Serie, sei ganz bestimmt kein Zufall. Weiterlesen »

Literatur im Nebel 2018

IMG_1196Am vergangenen Wochenende fand im niederösterreichischen Heidenreichstein  das Festival Literatur im Nebel 2018 statt. Wie auf dem Foto unschwer zu erkennen, hat der Titel nichts mit dem herrschenden meteorologischen Bedingungen zu tun; er ist der Tatsache geschuldet, dass Literaturliebhaber ursprünglich nicht mitten im Frühling, sondern Ende Oktober ins nördliche Waldviertel pilgerten, um einen Superstar der Literaturszene zu feiern. ‚Superstar‘ mag ein bisschen übertrieben klingen, aber schon im Gründungsjahr 2006 war der Ehrengast Salman Rushdie. Dieser musste aufgrund der gegen ihn ausgerufenen Fatwa heimlich anreisen. Ihm folgten, mit wesentlich mehr Publicity, unter anderem Amos Oz,  Margaret Atwood, Jorge Semprún, Ian McEwan, und sowohl im letzten Jahr als auch heuer jeweils eine Literaturnobelpreisträgerin. 2017 war es die weißrussische Autorin Swetlana Alexijewitsch, wie in einem Beitrag nachzulesen, heuer hieß der Ehrengast Herta Müller.  Sie wurde in Rumänien geboren, ihre Familie gehörte zur deutschsprachigen Minderheit. Herta Müller studierte Germanistik und Rumänistik und arbeitete dann als Übersetzerin in einer Maschinenfabrik. Als sie sich weigerte, für die Securitate zu spionieren, wurde sie von dieser schikaniert und bedroht. 1987 konnte sie in die BRD ausreisen; bis 1989 sei sie dort im Exil gewesen, sagt sie, erst seit Ceausescus Ende sei sie freiwillig in Deutschland.

In ihren Büchern verarbeitet Herta Müller ihre Erfahrungen mit dem totalitären politischen Regime, sie beschreibt aber keine autobiographischen Geschehnisse, sondern fiktive Ereignisse aus dem Autobiographischen heraus. Weiterlesen »

2018 Man Booker International Prize

Zu Wochenbeginn wurde die Longlist für den Man Booker International Prize 2018 veröffentlicht. Aus ursprünglich 108 Werken hat die Jury 13 Titel ausgewählt, die ich Euch hier gerne vorstellen möchte:

Laurent Binet, The 7th Function of Language. Der französische Originaltitel lautet La septième fonction the langage, auf Deutsch ist das Buch unter dem Titel Die siebte Sprachfunktion erschienen. Im März 1980 wurde der französische Philosoph, Schriftsteller und Literaturkritiker Roland Barthes, nachdem er kurz zuvor mit dem damaligen Präsidentschaftskandidaten François Mitterand zu Mittag gegessen hatte, von einem Kleinlaster angefahren und erlag seinen Verletzungen. Im Roman geht Kommissar Jacques Bayard der Frage nach, ob es sich um einen Unfall oder nicht doch um Mord gehandelt habe und macht sich dabei in einer Mischung aus Umberto Ecos Der Name der Rose und Dan Browns Sakrileg auf die Jagd nach einem geheimen Manuskript über Die siebte Sprachfunktion.Weiterlesen »

Costa Book Awards 2017

Erst im Februar 2018 über einen Buchpreis 2017 zu berichten, scheint etwas verspätet, aber tatsächlich werden die Preisträger der Costa Book Awards immer erst im Jänner des darauffolgenden Jahres bekanntgegeben: Anfang Jänner die Gewinner in 5 Einzelkategorien (First Novel Award, Novel Award, Biography, Poetry, Children’s Books), Ende Jänner der aus diesen 5 Preisträger_innen gewählte Hauptpreis. Ich kenne bei weitem nicht alle Siegertitel der letzten Jahre, aber die, die ich kenne, haben mir alle gefallen, und zwei davon habe ich auf diesem Blog auch schon vorgestellt: Colm Tóíbin hat 2009 mit Brooklyn den Hauptpreis gewonnen, der Hauptpreisträger von 2016 war Sebastian Berry mit Days without End.

Der heute von einer Coffee-to-go-Kette gesponserte Preis wurde 1971 unter dem Namen Whitbread Award ins Leben gerufen, und er wird an Autor_innen vergeben, die in englischer Sprache publizieren und seit mindestens 3 Jahren in Großbritannien oder Irland leben. Weiterlesen »