Fröhliches Man Booker-Raten

Die Wochen seit der Bekanntgabe der Longlist des Man Booker Prize habe ich genützt, um noch einige der Titel von der Liste zu lesen oder als Hörbuch kennenzulernen. From a Low and Quiet Sea kannte ich schon, auf Snap von Belinda Bauer war ich sehr neugierig, da Val McDermid sich für diesen Titel begeistert hatte, Normal People, den neuen Titel von Sally Rooney, konnte ich mir nicht entgehen lassen, da die Autorin als DER Shootingstar der irischen Literaturszene gehandelt wird und mir ihr Romanerstling Conversations with Friends gut gefallen hatte, und Warlight von Michael Ondaatje musste deshalb schleunigst von der Wish- auf die Read-List, weil ich zuvor noch nie einen Roman des Gewinners des Golden Man Booker gelesen hatte.

Meine Meinung: Ohne die anderen 9 Titel auch nur angelesen zu haben, möchte ich heute, einen Tag vor Bekanntgabe der Shortlist, einen Tipp zu deren Zusammensetzung abgeben:

haben meiner Meinung nach ausgezeichnete Chancen auf die Shortlist, bei Snap bin ich mir da nicht sicher, das wird darauf ankommen, ob sich Val McDermid nochmals durchsetzen kann. Vielleicht hatte ich einfach ein gutes Händchen bei der Auswahl, vielleicht liege ich auch total daneben, weil die anderen Titel noch besser sind. Morgen werden wir es wissen, ich bin sehr gespannt und freue mich auf Eure Meinung zu meiner Prognose.

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Stichwort #Irland (IV)

#Buchhandlungen

Wenn mein Mann von unseren Familienurlauben berichtet, kommen irgendwann unweigerlich launige Geschichten darüber, wie er die Zeit, in der ich nur noch schnell einen Blick in eine Buchhandlung werfen wollte, damit verbracht hat, in der Zeitschriftenabteilung alles Verfügbare über das Angeln zu lesen, in der Cafeteria alle Kuchen durchzuprobieren oder sich vor der Tür mit dem Sicherheitspersonal anzufreunden. Diesmal war ich alleine unterwegs, ich musste also auf niemanden Rücksicht nehmen, konnte von einer Buchhandlung in die nächste pilgern und dort stundenlang Regale durchforsten und Klappentexte lesen. Das Ergebnis waren 11 kg Bücher, die per Post ihren Weg nach Wien fanden, und ein ziemlich guter Überblick über die Buchläden in Galway und Dublin. Einige davon möchte ich Euch hier vorstellen.Weiterlesen »

Man Booker Prize 2018 – Longlist

Heute wurde die Longlist für den Man Booker Prize 2018 veröffentlicht. Hier die 13 Titel des Man Booker ‘Dozen’:

Autor*in (Land)                          Titel (Verlag)

Belinda Bauer (UK)                      Snap (Bantam Press)

Anna Burns (UK)                          Milkman (Faber & Faber)

Nick Drnaso (USA)                       Sabrina (Granta Books)

Esi Edugyan (Canada)                 Washington Black (Serpent’s Tail)

Guy Gunaratne (UK)                    In Our Mad And Furious City (Tinder Press)

Daisy Johnson (UK)                     Everything Under (Jonathan Cape)

Rachel Kushner (USA)                The Mars Room (Jonathan Cape)

Sophie Mackintosh (UK)              The Water Cure (Hamish Hamilton)

Michael Ondaatje (Canada)         Warlight (Jonathan Cape)

Richard Powers (USA)                 The Overstory (Willian Heinemann)

Robin Robertson (UK)                  The Long Take (Picador)

Sally Rooney (Ireland)                  Normal People (Faber & Faber)

Donal Ryan (Ireland)                    From A Low And Quiet Sea (Doubleday Ireland)

Ich habe bisher nur den letzten Titel auf der Liste gelesen, in dem die Geschichten dreier Männer zunächst unabhängig voneinander erzählt und dann miteinander verknüpft werden. Meine Besprechung findet ihr hier.Weiterlesen »

Happy #Bloomsday

Heute ist Bloomsday, der Tag, an dem Literaturfans in aller Welt James Joyce und sein Hauptwerk Ulysses feiern. Am 16. Juni 1904 hatte der irische Schriftsteller seine erste Verabredung mit seiner späteren Ehefrau Nora Barnacle, und als literarische Liebeserklärung an sie wählte er dieses Datum als jenen Tag, an dem er Leopold Bloom in Ulysses durch Dublin wandern ließ. Der Roman wurde 1922 veröffentlicht, und schon 1924 sollen erste Begeisterte auf den Spuren des Romanhelden durch die irische Hauptstadt gezogen sein. 1954 wurden die Feierlichkeiten dann sozusagen offiziell, als der Herausgeber John Ryan und der Autor Brian O’Nolan eine Literaturwallfahrt zu den Schauplätzen von Ulysses organisierten und damit eine Tradition begründeten, die im Laufe der Jahre immer weitere Verbreitung fand. Der Bloomsday ist zwar kein gesetzlicher Feiertag, wird aber in Irland fast wie ein solcher begangen, und so werden auch heute wieder Enthusiasten in historischer Kostümierung die im Roman vorkommenden Orte besuchen, an den zahlreichen Veranstaltungen teilnehmen oder selbst aus dem Roman vorlesen.Weiterlesen »

World Book Day

Heute ist der Welttag des Buches, und ich möchte dem Beispiel von Andrea von Lesen…in vollen Zügen folgen und Euch fünf meiner Lieblingsbücher vorstellen („meine 5 Lieblingsbücher“ geht nicht, es kommen immer neue dazu, und Lieblingsbuch bleibt Lieblingsbuch):

Ganz oben auf meiner Liste steht Physician (Der Medicus) des amerikanischen Autors Noah Gordon: Die Geschichte des jungen Rob Cole, der sich von England aus in den Orient aufmacht, um Medizin zu studieren. Der Roman hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefangen genommen, es ist alles dabei: es ist ein Entwicklungsroman und gleichzeitig eine abenteuerliche Geschichte mit magischen Elementen, eine romantische Liebesgeschichte und ein kulturelles Panorama, das von London bis nach Isfahan reicht. Auch wenn Puristen historische Ungenauigkeiten kritisieren, für mich ist es der beste historische Roman aller Zeiten. Die Fortsetzung Shaman (Der Schamane), in der ein Nachfahre von Rob Cole im Mittelpunkt steht, hat mir ebenfalls gut gefallen, und auch The Last Jew (Der Medicus von Saragossa) habe ich mit großem Vergnügen gelesen, nur den letzte Teil der Medicus-Trilogie, Choices (Die Erben des Medicus) fand ich etwas lahm, vielleicht deshalb, weil dieser Roman in der Gegenwart angesiedelt ist.

Faithful Place (Sterbenskalt) war der erste Krimi der irischen Autorin Tana French, den ich gelesen habe, und auch wenn mir die anderen 5 der Dublin Murder Squad-Serie ebenfalls sehr gut gefallen haben, die Geschichte des Undercover-Polizisten Frank Mackey, der nach 20 Jahren das Rätsel um das Verschwinden seiner Jugendliebe Rosie löst, ist meiner Meinung nach die am besten gelungene Story. Für meinen Irland-Aufenthalt im heurigen Sommer habe ich mir eine Fotosafari durch das Viertel in Dublin vorgenommen, in dem die Story angesiedelt ist.

Auch das nächste Buch auf der Liste ist Teil einer Serie: Tintenherz ist der erste Teil der Tintenwelt-Trilogie von Cornelia Funke, und wie die Figuren in der Geschichte wurde auch ich vom Buch verschluckt und verbrachte viele Stunden in einer phantastisch-bedrohlichen Welt, die viel poetischer und spannender, aber auch viel grausamer ist als unsere Realität. Teil 2, Tintenblut, und Teil 3, Tintentod, habe ich natürlich auch gelesen und war ebenfalls fasziniert, aber ich kann mich auch daran erinnern, dass ich danach keine Lust auf eine weitere Fortsetzung gehabt hätte.

Auf Prince of Tides (Die Herren der Insel) von Pat Conroy wäre ich vermutlich nie aufmerksam geworden, wenn mich nicht die Verfilmung mit Barbra Streisand und Nick Nolte begeistert hätte, die unter dem deutschen  Titel Herr der Gezeiten im Kino lief. Die Geschichte eines Mannes, der mühsam die Geheimnisse der Vergangenheit aufdeckt,  die sowohl ihn als auch seine Schwester in eine tiefe psychische Krise gestürzt haben, ist nicht ganz zufällig auf der Liste meiner Lieblingsbücher gelandet: da ich selbst einen Zwillingsbruder habe, kann ich gut verstehen, wie die enge Verbindung zwischen den beiden ihr Leben auch über große Distanzen hinweg beeinflusst. Viele Jahre nach Prince of Tides habe ich übrigens The Great Santini (Der große Santini) gelesen, ein Buch, in dem Pat Conroy die konfliktreiche Beziehung zu seinem Vater aufarbeitet. Leider hat mich dieser Roman bei weitem nicht so begeistert, für mich ist Pat Conroy damit ein One-Book-Wonder geblieben.

Das letzte Buch dieser Auswahl ist auch die jüngste Ergänzung meiner persönlichen Bestenliste: Unter der Drachenwand von Arno Geiger. Die fiktiven Tagebuchaufzeichnungen eines Soldaten auf Genesungsurlaub am Mondsee kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs haben mich begeistert, wie das schon lange nicht mehr der Fall war.  Unbedingt lesen!

Einige meiner Lieblingsbücher sind gerade im Freundeskreis auf Wanderschaft, daher zeige ich Euch auf dem Titelbild statt dessen mein Lieblingsbücherregal samt SuB im Hintergrund.