Happy #Bloomsday

Heute ist Bloomsday, der Tag, an dem Literaturfans in aller Welt James Joyce und sein Hauptwerk Ulysses feiern. Am 16. Juni 1904 hatte der irische Schriftsteller seine erste Verabredung mit seiner späteren Ehefrau Nora Barnacle, und als literarische Liebeserklärung an sie wählte er dieses Datum als jenen Tag, an dem er Leopold Bloom in Ulysses durch Dublin wandern ließ. Der Roman wurde 1922 veröffentlicht, und schon 1924 sollen erste Begeisterte auf den Spuren des Romanhelden durch die irische Hauptstadt gezogen sein. 1954 wurden die Feierlichkeiten dann sozusagen offiziell, als der Herausgeber John Ryan und der Autor Brian O’Nolan eine Literaturwallfahrt zu den Schauplätzen von Ulysses organisierten und damit eine Tradition begründeten, die im Laufe der Jahre immer weitere Verbreitung fand. Der Bloomsday ist zwar kein gesetzlicher Feiertag, wird aber in Irland fast wie ein solcher begangen, und so werden auch heute wieder Enthusiasten in historischer Kostümierung die im Roman vorkommenden Orte besuchen, an den zahlreichen Veranstaltungen teilnehmen oder selbst aus dem Roman vorlesen.

Ich habe Ulysses noch nicht gelesen, und das wird sich wohl auch nicht so schnell ändern, die aktive Teilnahme am Bloomsday verkneife ich mir daher vorläufig. Trotzdem bin ich gerade dabei, mich auf meine ganz private literarische Pilgerreise vorzubereiten. Im Juli steht für mich Irland auf dem Programm, und ich habe mir vorgenommen, den Aufenthalt diesmal zu nutzen, um den Protagonisten aus Büchern meiner Lieblingsautor*innen nachzuspüren. Das heißt für mich: durch Galway auf den Spuren von Ken Bruens Jack Taylor, ins Dublin Castle auf der Suche nach Frank Mackey und seinen Kolleg*innen von der Dublin Murder Squad, das eine oder andere Guiness in einem der Pubs, in denen sich Roddy Doyles Protagonisten herumtreiben, und ein Abstecher in den Südosten Irlands, die Gegend, aus der Colm Tóibín und seine Heldinnen stammen.  Für einige Tage habe ich ein Zimmer im Trinity College reservieren können, und auch diese altehrwürdige Universität inklusive ihrer Bibliothek mit dem berühmten Book of Kells werde ich erkunden. IMG_2023Natürlich bedeutet das auch, dass es auf diesem Blog in den nächsten Wochen vermehrt um irische Autor*innen gehen wird. Der SuB zu diesem Thema ist wie immer so hoch, dass an ein vollständiges Abtragen realistischerweise nicht zu denken ist, aber ich werde mein Bestes geben. Mit im Gepäck nach Irland wird jedenfalls eine Taschenbuchausgabe von James Joyce’s The Dubliners sein. Die habe ich auch noch nicht gelesen.

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World Book Day

Heute ist der Welttag des Buches, und ich möchte dem Beispiel von Andrea von Lesen…in vollen Zügen folgen und Euch fünf meiner Lieblingsbücher vorstellen („meine 5 Lieblingsbücher“ geht nicht, es kommen immer neue dazu, und Lieblingsbuch bleibt Lieblingsbuch):

Ganz oben auf meiner Liste steht Physician (Der Medicus) des amerikanischen Autors Noah Gordon: Die Geschichte des jungen Rob Cole, der sich von England aus in den Orient aufmacht, um Medizin zu studieren. Der Roman hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefangen genommen, es ist alles dabei: es ist ein Entwicklungsroman und gleichzeitig eine abenteuerliche Geschichte mit magischen Elementen, eine romantische Liebesgeschichte und ein kulturelles Panorama, das von London bis nach Isfahan reicht. Auch wenn Puristen historische Ungenauigkeiten kritisieren, für mich ist es der beste historische Roman aller Zeiten. Die Fortsetzung Shaman (Der Schamane), in der ein Nachfahre von Rob Cole im Mittelpunkt steht, hat mir ebenfalls gut gefallen, und auch The Last Jew (Der Medicus von Saragossa) habe ich mit großem Vergnügen gelesen, nur den letzte Teil der Medicus-Trilogie, Choices (Die Erben des Medicus) fand ich etwas lahm, vielleicht deshalb, weil dieser Roman in der Gegenwart angesiedelt ist.

Faithful Place (Sterbenskalt) war der erste Krimi der irischen Autorin Tana French, den ich gelesen habe, und auch wenn mir die anderen 5 der Dublin Murder Squad-Serie ebenfalls sehr gut gefallen haben, die Geschichte des Undercover-Polizisten Frank Mackey, der nach 20 Jahren das Rätsel um das Verschwinden seiner Jugendliebe Rosie löst, ist meiner Meinung nach die am besten gelungene Story. Für meinen Irland-Aufenthalt im heurigen Sommer habe ich mir eine Fotosafari durch das Viertel in Dublin vorgenommen, in dem die Story angesiedelt ist.

Auch das nächste Buch auf der Liste ist Teil einer Serie: Tintenherz ist der erste Teil der Tintenwelt-Trilogie von Cornelia Funke, und wie die Figuren in der Geschichte wurde auch ich vom Buch verschluckt und verbrachte viele Stunden in einer phantastisch-bedrohlichen Welt, die viel poetischer und spannender, aber auch viel grausamer ist als unsere Realität. Teil 2, Tintenblut, und Teil 3, Tintentod, habe ich natürlich auch gelesen und war ebenfalls fasziniert, aber ich kann mich auch daran erinnern, dass ich danach keine Lust auf eine weitere Fortsetzung gehabt hätte.

Auf Prince of Tides (Die Herren der Insel) von Pat Conroy wäre ich vermutlich nie aufmerksam geworden, wenn mich nicht die Verfilmung mit Barbra Streisand und Nick Nolte begeistert hätte, die unter dem deutschen  Titel Herr der Gezeiten im Kino lief. Die Geschichte eines Mannes, der mühsam die Geheimnisse der Vergangenheit aufdeckt,  die sowohl ihn als auch seine Schwester in eine tiefe psychische Krise gestürzt haben, ist nicht ganz zufällig auf der Liste meiner Lieblingsbücher gelandet: da ich selbst einen Zwillingsbruder habe, kann ich gut verstehen, wie die enge Verbindung zwischen den beiden ihr Leben auch über große Distanzen hinweg beeinflusst. Viele Jahre nach Prince of Tides habe ich übrigens The Great Santini (Der große Santini) gelesen, ein Buch, in dem Pat Conroy die konfliktreiche Beziehung zu seinem Vater aufarbeitet. Leider hat mich dieser Roman bei weitem nicht so begeistert, für mich ist Pat Conroy damit ein One-Book-Wonder geblieben.

Das letzte Buch dieser Auswahl ist auch die jüngste Ergänzung meiner persönlichen Bestenliste: Unter der Drachenwand von Arno Geiger. Die fiktiven Tagebuchaufzeichnungen eines Soldaten auf Genesungsurlaub am Mondsee kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs haben mich begeistert, wie das schon lange nicht mehr der Fall war.  Unbedingt lesen!

Einige meiner Lieblingsbücher sind gerade im Freundeskreis auf Wanderschaft, daher zeige ich Euch auf dem Titelbild statt dessen mein Lieblingsbücherregal samt SuB im Hintergrund.

 

 

#ReadMoreWomen

Eines der Geheimnisse erfolgreicher Blogs besteht darin, regelmäßig und vor allem zu aktuellen Themen zu bloggen, aber da es in meinem Bloggerinnendasein gewisse Störfaktoren wie einen Vollzeitjob, unerwartete zusätzliche berufliche Termine, Familienausflüge und auch schon mal den einen oder anderen Fernsehfilm geben kann, sind nun trotzdem mehr als zwei Wochen seit der Veröffentlichung der Longlist des Women’s Prize for Fiction 2018 vergangen, ohne dass ich Zeit gefunden hätte, mich diesem Thema im Detail oder auch nur im Ansatz zu widmen. Wieder einmal erweist sich das Granta Magazine als nützliche Unterstützung, um up-to-date zu bleiben, und hebt in The Women Are in Insurrection von Josie Mitchell  einige der nominierten Autorinnen hervor,  die jeweils auch in verlinkten Artikeln oder Interviews zu Wort kommen.Weiterlesen »

Women in 21st Century Fiction

Gerade rechtzeitig vor dem  Internationalen Frauentag hat die New York Times unter dem Titel The New Vanguard eine Auswahl von 15 Prosawerken von Autorinnen veröffentlicht, die die Literatur im 21. Jahrhundert auf innovative Weise beeinflusst haben und noch beeinflussen werden. Eine solche Liste muss, das betonen die Literaturkritiker*innen der NYT, die für die Zusammenstellung verantwortlich zeichnen, zwangsläufig unvollständig bleiben, aber sie deckt eine große Bandbreite ab, von Graphic Novels über Erzählungen bis hin zu Horror und Fantasy. Zehn der Bücher möchte ich Euch heute vorstellen:

In Amerikanah erzählt die gebürtige Nigerianerin Chimamanda Ngozi Adichie vom Schicksal der jungen Ifemelu, die aus Nigeria in den USA einwandert und dort einige Jahre unter schwierigsten Bedingungen lebt, bevor sie einen Collegeabschluss macht und eine erfolgreiche Bloggerin wird. Weiterlesen »

Black History Month in Retrospect

Heute geht der Black History Month zu Ende, Zeit für eine Rückschau:

Meine von Lesen…in vollen Zügen angeregte Bestandsaufnahme zu Beginn des Monats hatte vor allem ergeben, dass es endlich Zeit für die erste Begegnung mit einer Autorin wird, die schon viel zu lange auf meinem SuB ausharren musste: Toni Morrison.

Noch während des Lesens von Love entdeckte ich im Granta Magazine ein Interview:  Toni Morrison im Gespräch mit dem Deutschen Mario Kaiser und der Nigerianerin Sarah Ladipo Manyika. Schon die Einleitung dieses Interviews liefert interessante Einblicke: Die Sprache von Morrisons Antworten habe die gleiche Klarheit und Musikalität wie ihr literarisches Schaffen; am  Besucher-WC hänge an einer Wand der Brief des Nobelpreiskommittees, der sie als Preisträgerin für 1993 ausweist, und gegenüber eine offizielle Note des Texas Department of Criminal Justice, die darüber informiert, dass der Roman Paradise aus den Bibliotheken der staatlichen Strafanstalten verbannt worden sei, weil er Gefängnisrevolten provozieren könnte. Und, sie weigere sich, den Namen des amtierenden US-Präsidenten in den Mund zu nehmen.Weiterlesen »