Ian McEwan goes MI5

Serena Frome, Tochter eines anglikanischen Bischofs, ist noch keine 25, bildhübsch und belesen und hat einen Abschluss in Mathematik von der Universität Cambridge. Ihren neuen Job beim britischen Geheimdienst MI5 verdankt sie aber nicht ihren akademischen Leistungen, sondern ihrem um drei Jahrzehnte älteren Geliebten Tony Canning. Hätte Ian McEwan den Beginn seines Romans Sweet Tooth (auf Deutsch: Honig)  im 21. Jahrhundert angesiedelt, würden Serena zu Beginn ihrer Tätigkeit ein anspruchsvolles Trainingsprogramm für Geheimagentinnen und im Anschluss daran eine Karriere im Kampf gegen rechten oder linken Terror oder gegen Islamismus erwarten. Serena tritt ihren Dienst aber im Jahr 1972 an, und daher verbringt sie ihre Tage mit dem Tippen und Ablegen von Akten, und ihr erster Auftrag außerhalb der Büromauern besteht darin, gemeinsam mit ihrer Kollegin Shirley Shilling eine vom Geheimdienst gemietete Wohnung zu putzen, um die Spuren des letzten Einsatzes zu beseitigen. Dort findet sie einen Zettel mit einem Hinweis auf Tony, der sich in der Zwischenzeit sowohl von ihr als auch von seiner Ehefrau getrennt hat.

Auch der nächste Auftrag ist nicht besonders spektakulär, kommt aber zumindest Serenas Interesse für Literatur entgegen: Im Rahmen des Projekts Sweet Tooth (in der deutschen Übersetzung Operation Honig) besucht sie getarnt als Mitarbeiterin einer Stiftung den noch unbekannten Schriftsteller Thomas Haley und bietet ihm finanzielle  Unterstützung an, die es ihm ermöglichen soll, sich ganz aufs Schreiben zu konzentrieren.  Weiterlesen »

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Am Strand

Am vergangenen Donnerstag wurde beim Toronto International Film Festival On Chesil Beach vorgestellt, die Verfilmung des ersten Ian McEwan-Romans, den ich je gelesen habe. Seit dieser Lektüre sind einige Jahre vergangen und mehrere Romane des britischen Autors dazugekommen, beeindruckt hat mich bisher jeder davon. Einige warten noch in meinem Bücherregal, und das schon seit November 2015. Damals war Ian McEwan Ehrengast beim Literaturfestival Literatur im Nebel, ich hatte daher die seltene Gelegenheit, den Autor, der sich nicht eben ins Rampenlicht drängt, gleich zwei Tage lang live zu erleben, und konnte einen ganzen Stapel signierter Buchexemplare mit nach Hause nehmen.

Bei Literatur im Nebel werden jedes Jahr Werke eines bestimmten Autors oder einer Autorin von namhaften Schauspielern auszugsweise präsentiert. Für Am Strand waren das Julia Koschintz und Manuel Rubey, und ihre Darbietung war für mich eine große Überraschung.

Das Buch hatte mich beim Lesen zutiefst berührt. Weiterlesen »