J.M.Coetzee – Gegen die Hegemonie der englischen Sprache

Bereits zum 13. Mal pilgerten dieses Wochenende Literaturbegeisterte nach Heidenreichstein im Waldviertel, um bei Literatur im Nebel eine Autorin oder einen Autor zu feiern und persönlich kennenzulernen. Wie üblich startete das Festival ungeachtet des Titels bei strahlendem Sonnenschein, und wie üblich war der Ehrengast ein ganz großer Name: In dem kleinen Städtchen nahe der Grenze zwischen Österreich und Tschechien wurde im dritten Jahr hintereinander ein Literaturnobelpreisträger auf die Bühne gebeten. Nach Svetlana Alexijewitsch (2017) und Herta Müller (2018) diesmal der aus Südafrika stammende J.M. Coetzee, dessen Werke, wie üblich, von einer Garde hochkarätiger Kulturschaffender präsentiert wurden.

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Inger-Maria Mahlke und Aglaia Szyskowitz lesen aus Sommer des Lebens
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Daniela Golpaschin liest aus Im Herzen des Landes
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Hans Pleschinski, Elisabeth Trissenaar und Elias Hirschl lesen aus Eiserne Zeit

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#Women’s Prize for Fiction 2019 – Der Trojanische Krieg aus Sicht der Briseis

In The Silence of the Girls erzählt Briseis, die ehemalige Königin von Lyrnessos, ihre Geschichte: Nachdem ihre Heimat im Trojanischen Krieg von den Griechen unter Agamemnon zerstört worden war, wurde sie, noch keine zwanzig und wunderschön, zur Kriegsbeute des Achilles. Gemeinsam mit den versklavten Mädchen und Frauen aus anderen unterworfenen Stadtstaaten lebt sie im Feldlager der Griechen vor Troja und fügt sich widerspruchslos in ihr Schicksal. Auf unterschiedliche Weise versuchen die Frauen, mit ihrer Situation zurechtzukommen, gemeinsam ist ihnen der Wille zu überleben. Die vielbesungenen griechischen Helden präsentieren sich dabei nicht als edle Kämpfer, sondern als rücksichtslose Chauvinisten, einzig Achilles‘ bester Freund Patrokles zeigt Mitgefühl für das Schicksal der Sklavinnen. Weiterlesen »

Bücherfasten

Von Aschermittwoch bis Ostern keine Bücher lesen, außer vielleicht am Sonntag? Das wäre ja vollkommen sinnlos, Verzicht um des Verzichts willen. Trotzdem habe ich mir für die Fastenzeit vorgenommen, auf Literatur zu verzichten, und zwar auf neu angeschaffte Literatur. Auf die Idee dazu hat mich Jule gebracht, die im letzten Beitrag in ihrer Leseecke angekündigt hat, mit Blick auf ihren SuB und auch aus Zeitmangel in nächster Zeit keine Rezensionsexemplare anfordern und anstelle von Neuerscheinungen vermehrt Bücher der Backlist lesen zu wollen. Sie hat mir mit ihrem Beitrag aus der Seele geschrieben. Auch ich komme mit dem Lesen und Besprechen kaum nach; das Beitragsbild zeigt das Regal, in dem ich meinen SuB verstaut habe, und zwar in zwei Reihen. Neben extra angeforderten Rezensionsexemplaren finden sich da Bücher, die ich als Vorbereitung auf meine Vietnamreise im heurigen Februar lesen wollte, solche, die ich letztes Jahr aus Irland mitgebracht habe, Titel von der Buchmesse 2017 und, was ganz besonders schmerzt, ein Roman, den eine sehr liebe Freundin für mich als Geburtstagsgeschenk ausgewählt hat – vor drei Jahre!

Bücher sind ein Schatz, aber nur dann, wenn sie auch gewürdigt, und das heißt in erster Linie gelesen werden. Ungelesen werden sie zu bedeutungslosen Konsumgütern, ebenso nutzlos wie das zwanzigste weiße T-Shirt oder das fünfte Paar schwarze Pumps. Daher bis Ostern kein weiteres Rezensionsexemplar, kein Spontankauf aus der Auslage einer Buchhandlung, kein Das-wollte-ich-immer-schon-lesen-Schnäppchen aus der Wühlkiste. Eine Ausnahme werde ich allerdings machen: Ende März fahre ich wieder zu Literatur im Nebel. Stargast ist heuer Literaturnobelpreisträger J.M. Coetzee, und ich werde mir die Chance nicht entgehen lassen, den einen oder anderen seiner Titel zu kaufen, um ihn  signieren zu lassen. Ganz oben auf meinem SuB liegt übrigens Salvage the Bones von Jesmyn Ward. Das habe ich aus Anlass des Black History Month 2018 angeschafft, und ich freue mich schon sehr darauf, es jetzt endlich zu lesen. Verzicht mit Mehrwert.